Evangelische Kirche, (Pfarrbezirk 1), Krottorfer Str. 19a, 57258 Freudenberg

Die Kirche ist in den Jahren 1601 bis 1606 erbaut: Der Turm ist freilich älter, nämlich ein Turm des Freudenberger Schlosses, das 1389 erstmals urkundlich erwähnt wird und von dem sonst nichts mehr erhalten ist. In oder bei dem Schloss befand sich eine Kapelle, die der Hl. Katharina geweiht war, und ein Kaplan feierte dort mti der Gemeinde Gottesdienst.
Allerdings war Freudenberg in mittelalterlicher Zeit keine eigene Pfarrei, sonder gehörte zu der alten Pfarrei (Ober-)Holzklau. 1530 wurde Freudenberg mit der gesamten Grafschaft Nassau lutherisch, nach 1580 dann reformiert. Erst in dieser Zeit hatten die schon länger andaurnden Selbständigkeitsbestrebungen der Freudenberger Erfolg: Am 19. Februar 1585 wurde Freudenberg eine eigene Gemeinde. Nachdem das Kirchspiel am 1. November 1597 um die Orte Büschergrund, Plittershagen, Stöcken, Mausbach, Oendorf (jetzt Hohenhain) und den (jetzt nicht mehr bestehenden) Hof Herlingen erweitert worden war, drängte man auf einen (größeren) Kirchenneubau; dieser kam dann zu Anfang des 17. Jahrhunderts zustande. Ein Dokument aus der gräflich-nassauischen Kanzlei in Dillenburg enthält genaue Gestaltungsvorschriften und die Erlaubnis, den Schlossturm als Glockenturm auszubauen und zu benutzen, nur müsse der untere Teil weiterhin als Gefängnis zur Verfügung stehen.

Die dicken Bruchsteinmauern und die vergitterten Fenster zeigen noch heute den Charakter der Wehrkirche; auch eine vorgesehene Galerie im Innern und (heute verputzte) Schießscharten weisen darauf hin.
Beim großen (zweiten) Stadtbrand von Freudenberg am 9. August 1666 brannte auch die Kirche aus; die Wiederherstellung dauerte bis 1675. Aus dieser Zeit stammen im Innern die Holzsäulen, die erste Empore an drei Seiten (außer im Chorraum), die Kanzel und er Kanzeldeckel samt geschmiedeter Aufhängung. Die Orgel, erstmals erwähnt 1682, befand sich auf der Empore an der Turmseite; im Chorraum war ein sogenannter Herrenstuhl. 1777 wurde die Kirche restauriert; aus diesem Jahr stammt auch die an der Ostwand angebrachte Tafel mit einem Gedicht über den Brand von 1666.

Aus dem 17. Jahrhundert stammen auch die Abendmahlsgeräte der Gemeinde: Der Kelch ist ein Geschenk des Fürsten Johann Moritz von Nassau-Siegen von 1664, der Teller ein solches seines Nachfolgers Wilhelm Moritz von 1690.

1862 wurde, da man mehr Sitzplätze benötigte, das Innere der Kirche umgestaltet: Die Orgel wurde abgerissen und an der Turmseite eine zusätzliche Empore errichtet (dritter Stock). Im Chorraum fiel der Herrenstuhl weg, die beiden Seiten der Galerie wurden durch eine Chorraumempore verbunden und darauf die Orgel gestellt. Damals oder schon früher wurde das Innere ganz in Weiß gestrichen.

1962/63, anlässlich des Einbaus einer Warmluftheizung, wurden Grabungen durchgeführt. Dabei wurde die ursprüngliche farbliche Gestaltung freigelegt und ergänzt (Blumen und Ornamente um die Fenster und den Rundbogen, Grüntöne an den Holzteilen). Die bisherige Orgelempore blieb frei, die neue Orgel wurde auf die westliche Orgelempore gestellt (1967).

Da sich diese Orgel bald als unzulänglich erwies, wurde, nach Abbruch der 1862 errichteten Chorraumempore, im Jahre 2000 eine neue Orgel von der Firma Freiburger Orgelbau in March-Hugstetten im Chorraum unten aufgestellt,die sich gestalterisch dem alten Holzwerk anpasst.

So stellt die Kirche ein Ganzes aus sechs Jahrhunderten dar. Sie ist der erste nachreformatorische Kirchenbau im Siegerland. Als Bauwerk bildet sie den krönenden Abschluss des Emsembles "Alter Flecken".